figure humaine kammerchor
Denis Rouger, Leitung

28.06.2025: Klosterkirche Kirchberg
29.06.2025: Klosterkirche Lorch
05.07.2025: Friedenskirche Biberach (Riß)
06.07.2025: Martinskirche Stuttgart-Möhringen
25.07.2025: Stadtkirche Weingarten
– im Rahmen der Elchiger Musiktage
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figure humaine kammerchor
Denis Rouger, Leitung
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Robert Schumann (1810-1856)
Wilhelm Berger (1861-1911)
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)
Fanny Hensel (1805-1847)
Felix Mendelssohn Bartholdy
Christian Lahusen (1886-1975)
Felix Mendelssohn Bartholdy
Wilhelm Berger
Philippe Mazé (*1954)
Ungewitter Op. 67/4
Wie nun alles stirbt und endet
Op. 25/1
Ständchen Op. 25/5
Frühlingsfeier Op. 48/3
Mailied Op. 41/5
aus: „Lieder im Freien zu singen“
Schon kehren die Vögel
Mitten wir im Leben sind Op. 23/3
Lass nun die Wetter wogen
Abendständchen Op. 75/2
Gebet Op. 54
Saskia Saegeler, Sopran Solo
Messe brève à double choeur à Thaïs
Kyrie
Gloria
Sanctus
Agnus Dei
Voici venue l’heure
Ce soir mon coeur fait chanter des anges
aus: „6 poèmes de Rainer Maria Rilke“
Miserere mei
Malte Fial, Bariton Solo
„Trois Choeurs mystiques“
1. Hymne
2. Cantique des Créatures
Jakob Frisch, Tenor Solo
Peter Schäfer, Tenor Solo (25.07.)
3. Prière
Psaume 8 (Andante – Toccata – Andante)
aus: „Trois Psaumes de David“
Jakob Frisch, Tenor Solo
Peter Schäfer, Tenor Solo (25.07.)
Robert Schumann (1810-1856)
Wilhelm Berger (1861-1911)
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)
Fanny Hensel (1805-1847)
Felix Mendelssohn Bartholdy
Christian Lahusen (1886-1975)
Felix Mendelssohn Bartholdy
Wilhelm Berger
Philippe Mazé (*1954)
Ungewitter Op. 67/4
Wie nun alles stirbt und endet
Op. 25/1
Ständchen Op. 25/5
Frühlingsfeier Op. 48/3
Mailied Op. 41/5
aus: „Lieder im Freien zu singen“
Schon kehren die Vögel
Mitten wir im Leben sind Op. 23/3
Lass nun die Wetter wogen
Abendständchen Op. 75/2
Gebet Op. 54
Saskia Saegeler, Sopran Solo
Messe brève à double choeur à Thaïs
Kyrie
Gloria
Sanctus
Agnus Dei
Voici venue l’heure
Ce soir mon coeur fait chanter des anges
aus: „6 poèmes de Rainer Maria Rilke“
Miserere mei
Malte Fial, Bariton Solo
„Trois Choeurs mystiques“
1. Hymne
2. Cantique des Créatures
Jakob Frisch, Tenor Solo
Peter Schäfer, Tenor Solo (25.07.)
3. Prière
Psaume 8 (Andante – Toccata – Andante)
aus: „Trois Psaumes de David“
Jakob Frisch, Tenor Solo
Peter Schäfer, Tenor Solo (25.07.)
Robert Schumann (1810-1856)
Ungewitter Op. 67/4
Wilhelm Berger (1861-1911)
Wie nun alles stirbt und endet Op. 25/1
Ständchen Op. 25/5
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)
Frühlingsfeier Op. 48/3
Mailied Op. 41/5
aus: „Lieder im Freien zu singen“
Fanny Hensel (1805-1847)
Schon kehren die Vögel
Felix Mendelssohn Bartholdy
Mitten wir im Leben sind Op. 23/3
Christian Lahusen (1886-1975)
Lass nun die Wetter wogen
Felix Mendelssohn Bartholdy
Abendständchen Op. 75/2
Wilhelm Berger
Gebet Op. 54
Saskia Saegeler, Sopran Solo
Philippe Mazé (*1954)
Messe brève à double choeur à Thaïs
Kyrie
Gloria
Sanctus
Agnus Dei
Voici venue l’heure
Ce soir mon coeur fait chanter des anges
aus: „6 poèmes de Rainer Maria Rilke“
Miserere mei
Malte Fial, Bariton Solo
„Trois Choeurs mystiques“
1. Hymne
2. Cantique des Créatures
Jakob Frisch, Tenor Solo
Peter Schäfer, Tenor Solo (25.07.)
3. Prière
Psaume 8 (Andante – Toccata – Andante)
aus: „Trois Psaumes de David“
Jakob Frisch, Tenor Solo
Peter Schäfer, Tenor Solo (25.07.)
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Alles hat seine Zeit. Sekunden summieren sich zu Minuten, die sich in Stunden und schließlich in Tage gießen. Wir stehen auf, beginnen den Tag, eilen möglicherweise von einem Termin zum nächsten, beenden den Tag und suchen oder finden Schlaf. Die Natur erwacht im Frühling, erstrahlt im Sommer, bereitet sich im Herbst auf die Ruhe vor, die der Winter schließlich wie in einem Vakuum unter eine Schneedecke legt, damit sie im neuen Jahr wieder mit frischer Kraft in einen weiteren Kreislauf startet. Unaufhörlich schreitet die Zeit auf unterschiedlichsten Ebenen voran – und doch kann Zeit so subjektiv sein: Mal kommt sie uns vor wie eine Ewigkeit, mal vergeht sie wie im Flug, mal beschert sie uns sogar Momente der gefühlten Zeitlosigkeit, des Schwebens, des Hier und Jetzt. Aus einem Zeitraum wird dann eine Zeit voll Raum, in dem die Gedanken schweifen oder eben neue Energie tanken können und wir merken: Die Zeit istgekommen! Zeit, Abschied zu nehmen. Oder Zeit, einen Neubeginn zu wagen. Zeit, den Dingen Raum zu geben, sie anzunehmen und sein zu lassen. Oder Zeit, Initiative zu ergreifen.
All diesen Facetten von Zeit und Raum widmet sich dieses Programm. Eröffnet wird es in Schumanns Ungewitter mit einem durchkomponierten romantischen Chorlied, das durch seine Affektgeladenheit besticht und die zentralen Themen der Epoche verhandelt: (Todes-)Sehnsucht, Schicksalsschwere, Natur und Liebe. Sogleich findet der Übergang in den unbarmherzigen Lauf der Dinge statt: Berger schafft in Wie nun alles stirbt und endet Klänge, die das Nebeneinander von Lieben und Hassen sowie das Bittere und Verletzliche der Vergänglichkeit gleichermaßen greifbar machen können. Nichtsdestoweniger verklingt dieses Werk in hoffnungsvollem Duktus: Der benannte Hass ist umsonst, wo die „Frühlingswende, die allein die Liebe weckt“ immer wieder neu Hoffnung und Vertrauen säht. Hierauf folgt mit Ständchen eine leichtfüßige Einladung zu einer neuen Perspektive auf den Frühling mit allen Sinnen: Gespannt darf man dem Murmeln des Bachs, elfengleich hüpfenden Tritten und der Nachtigall lauschen, Blumengärten und Mondscheinnächte bestaunen, den Duft zahlreicher Blüten genießen und die „Wonneschauer der Nacht“ spüren. Hier reihen sich auch Mendelssohns Frühlingsfeier und Mailied ein. Sie ergänzen die Leichtigkeit sowohl um die friedvolle Einkehr als auch um die explosive Kraft, die das Frühlingserwachen in Natur und Menschen gleichermaßen auslösen kann. Letzterer setzt das Hier und Jetzt jedoch auch immer wieder in Relation zu dem, was vergangen ist – so auch in Fanny Hensels Schon kehren die Vögel, in dem ein sehnsuchtsvoller Blick zurück in die Jugend geworfen wird.
Der anschließende Block richtet den Blick auf Gott und die Frage danach, inwiefern Glaube helfen kann zu akzeptieren, dass der Tod Teil des Lebens ist, indem wir im Bewusstsein seines Eintretens denken und handeln. Glaube kann zugleich Spender von Trost, Zuversicht und Vertrauen sein, wie Bergers Gebet eindrücklich darstellt: Über dem vollen Tuttiklang schwebend richtet die Sopranistin Saskia Saegeler ihr Gebet solistisch an einen treuen Gott.
Überwiegend im liturgischen Kontext verbleiben schließlich auch die Werke Philippe Mazés, die der figure humaine kammerchor im vergangenen Jahr aufgezeichnet hat und nun auf CD veröffentlicht (Erscheinungstermin: Juli 2025). Diese CD können Sie im Anschluss an dieses Konzert erwerben und sich selbst davon überzeugen, dass Mazés Kompositionen ihre Inspiration meist aus liturgischen, biblischen oder poetischen Texten nehmen, was sie stets zu Werken des Reflektierens, der Introspektion, aber auch des Fragens und Suchens werden lässt.
So beispielsweise im chorischen Dialog zwischen Frauen- und Männerstimmen im Kyrie der Messe brève à double choeur, der sich über zunehmenden Harmoniereichtum zu einem Ganzen verdichtet. Im Gloria wechselt der Lobgesang zwischen rhythmusbetonten Passagen und vollen, fast schon drängenden Tutti, um schließlich im „Amen“ ins unisono zu finden. Das wogende Sanctus greift nun die im Gloria angelegte Gestaltung auf und schöpft das fein differenzierte dynamische Spektrum des Chores aus, bevor im Agnus Dei der sehnliche Wunsch nach Frieden im „m“ des „Dona nobis pacem“ verklingt.
Voici venue l’heure stellt schließlich die französische Entsprechung des Programmtitels „Die Zeit ist gekommen“ dar. Hier rückt eine weitere Frühlingskomponente ins Zentrum der Betrachtung: Die Passionszeit, hier vor allem der tragische Anblick Jesu am Kreuz, dessen Augen selbst im Tod voller Liebe und Vergebung strahlen.
Passend zu den – interessanterweise von religiösen Kontexten großteils gelöst zu verstehenden – Fragen nach Transzendenz bei Rilke bewegt sich anschließend auch der Frauenchor Ce soir mon coeur fait chanter des anges in sphärischen Klängen und Höhen.
Auch den Ausgangspunkt der Hymne aus den Trois choeurs mystiques bilden zahlreiche Fragen, über dieversucht wird, sich der unbegreiflichen Größe des Schöpfers anzunähern. Wie die Fragen in metaphorische Beschreibungen des Schöpfers und der Vielzahl der ihn preisenden Wesen und Dinge übergehen, so legen sich auch musikalisch zunehmend harmonische und melodiöse Schichten übereinander, mit denen der Chor geschickt umzugehen weiß.
In Cantique des créatures stechen besonders die rhythmisch anspruchsvollen Passagen hervor, die im Wechselspiel und Zusammenklang der Stimmen dennoch zu einer Leichtigkeit finden, mit der der Chor der Größe der staunenswerten Schöpfung Klang verleiht. Mazé verbindet in diesem Werk den Lobgesang auf einen großen Schöpfer, dem alle Wesen tiefes Vertrauenentgegenbringen, mit der Vorstellung von einer ebenso großen schöpferischen Kraft der Wesen selbst. In diesem vielseitig gearteten Staunen und Vertrauen wendet sich der Mensch in Prière schließlich an Maria. Ausgehend vom meditativ anmutenden „Souvenez-vous“ („Gedenke“) bittet er um den Trost undSchutz Marias.
Der Psaume8 aus den Trois Psaumes de David wurde den Sänger*innen des figure humaine kammerchor sowie Christiane und Denis Rouger gewidmet. In diesem Werk zeigt der Chor im Nebeneinander von harmonischen und rhythmischen Höhepunkten, virtuos anspruchsvollen Passagen und Flexibilität in Klangfarben und dynamischen Nuancen einmal mehr seine Vielseitigkeit. Dies verleiht dem Werk eine immerwieder zunehmende musikalisch-künstlerische Verdichtung, die schließlich in einem vollen, erlösenden und von Dankbarkeit erfüllten Amen endet.
All diese Werke möchten Sie, liebe Zuhörende, zu Ihrer ganz persönlichen „Zeit mit Raum“ einladen. Vielleicht möchten sie den Blick ins Außen lenken, vielleicht ins Innen. Denn gerade Musik kann freie Gedanken so wundersam umrahmen – als Begleitung, als Impuls, als neue Perspektive. Auch sie oszilliert stets zwischen Zeit und Zeitlosigkeit: Vermeintlich fest unterteilte Takte fügen sich in Phrasen, horizontale Linien verschmelzen mit vertikalen Harmonien, Klänge entstehen und verschwinden wieder. Sie nehmen Raum in und um uns ein und schaffen schließlich wieder Platz für neue Klänge oder für Stille. Wann wird aus einem fest eingeteilten Zeitraum eine Zeit in einem Raum, deren Messbarkeit dort endet, wo das Gefühl beginnt? Vielleicht gilt auch für Ihren kommenden Zeitraum mit uns: Voici venue l’heure – Die Zeit ist gekommen.
Johanna Gauß


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