figure humaine kammerchor
Stuttgarter Philharmoniker
Henning Wiegräbe, Posaune
Isabel Weller & Anastasia Wanek, Sopran
Martin Höhler, Tenor
Matthias Lika, Bass
Denis Rouger, Einstudierung
Richard Wien, Leitung

07.11.2025: Leonhardskirche Stuttgart
08.11.2025: Temple Neuf Strasbourg (F)
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figure humaine kammerchor
Stuttgarter Philharmoniker
Henning Wiegräbe, Posaune
Isabel Weller & Anastasia Wanek, Sopran
Martin Höhler, Tenor
Matthias Lika, Bass
Denis Rouger, Einstudierung
Richard Wien, Leitung
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Axel Ruoff (*1957)
Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
Die Weihe der Nacht für achtstimmigen gemischten Chor, Solo-Posaune und Streichorchester (UA)
Große Messe in c-Moll
Axel Ruoff (*1957)
Die Weihe der Nacht für achtstimmigen gemischten Chor, Solo-Posaune und Streichorchester (UA)
Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
Große Messe in c-Moll
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Mozart, zugleich gläubiger Christ und kirchenkritischer Mensch schrieb in seinem Leben 18 Messvertonungen – zumeist in der kleineren Form der Missa brevis und für den unmittelbaren kirchenmusikalischen Verwendungszweck in der Liturgie der Salzburger Fürsterzbischöfe.
Die 1782 komponierte c-moll-Messe, die durchaus in einer Liga mit einer Bach’schen h-moll-Messe oder Beethovens Missa solemnis spielt, nimmt nicht nur in dieser Hinsicht in Mozarts Schaffen eine Sonderstellung ein: Ohne offenkundigen Anlass – und ohne Zeitbeschränkung eines liturgiefaulen Erzbischofs – beginnt Mozart, ein monumentales Werk zu verfassen, das er jedoch nie vollendet. Mozart, der im Jahr zuvor dem Salzburger Hof den Rücken kehrt, sich in Wien niederlässt und dort seine Constanze heiratet, reist im Sommer 1783 nach Salzburg, um mit seiner Gemahlin Vater Leopold und Schwester Nannerl zu besuchen. Im Gepäck: die nicht fertiggestellte Partitur der c-moll-Messe. Am Ende ihrer Reise findet die wohl erste und letzte Aufführung des Fragments zu Lebzeiten des Komponisten statt, wie im Tagebuch Nannerls zu lesen ist. Constanze singt die ihr auf den Leib geschneiderte Solo-Sopranpartie – während das junge Paar den Tod ihres zuhause zurückgelassenen ersten Kindes verarbeiten muss.
Seit das Werk 1840 im Wiener Stephansdom – der Kirche, in der knapp sechzig Jahre zuvor Constanze und Wolferl heirateten – wiederaufgeführt wurde, sind zahlreiche Versuche zur Vervollständigung der unter mehreren Gesichtspunkten fragmentarischen Partitur unternommen worden: Während Mozart einzelne Sätze der Messe nie geschrieben hat (es fehlen der dritte Teil des Credos sowie das ganze Agnus dei und dona nobis pacem; die ersten Teile des Credos sind nur als Entwurf erhalten), ist von anderen der Autograph verschollen (Sanctus, Hosanna, Benediktus). Die Fassung, die figure humaine und die Stuttgarter Philharmoniker zu Gehör bringen, ist eine noch junge: Die Zusammenarbeit von Uwe Wolf und Frieder Bernius vereint Musikwissenschaft und musikalische Aufführungspraxis, fundiertes Wissen über Mozart, seine Werke und dessen Kompositionstechnik, die Kenntnis der kirchenmusikalischen Praxis seiner Zeit und der historischen Vorbilder. Das Extrakt ist eine möglichst originale Rekonstruktion, in der jegliche mozartfremde Zugabe vermieden wird – mit einer „perfekte[n] Balance auf dem Stand der aktuellen aufführungspraktischen und musikgeschichtlichen Erkenntnisse“ (BR Klassik).
Die Geschichte der Weihe der Nacht ist eine ganz persönliche zwischen ihrem Komponisten Axel Ruoffs, Denis Rouger und figure humaine sowie Richard Wien und Henning Wiegräbe. Ruoff hat zahlreiche Instrumental- und Orchesterwerke verfasst, für die er besonders in Skandinavien und Amerika einen Namen hat. Für figure humaine ist mit den Eichendorff-Liedern (2020) schon ein Werk entstanden – und der Wunsch nach mehr ist auf ganze besondere Weise in Erfüllung gegangen: Vor bald vier Jahren findet Denis Rouger an seinem Geburtstag im Briefkasten die Partitur der Weihe der Nacht, geschrieben für den figure humaine kammerchor und Henning Wiegräbe. Sowohl den Posaunisten als auch den Chorleiter verbindet jeweils eine jahrelange Zusammenarbeit mit dem Komponisten, deren Kreis sich mit Richard Wien als Dirigent dieser Konzerte nun schließt.
Mozart und Ruoff – zwei Komponisten, deren Werke ihr Publikum in ganz unterschiedliche Klangwelten eintauchen lassen und die doch verbunden sind durch ihre tiefe Botschaft, ihre Seelenresonanz, wie Denis Rouger beschreibt.
Auch wenn uns in der heutigen Zeit schwer zu fallen vermag, was Mozart voll Überzeugung vorbehaltlos von Gottes Botschaft erzählt, so wird doch in den von Ruoff vertonten Schlussversen Hebbels jene Hoffnung, jene Zuversicht spürbar: Und aus seinen Finsternissen / Tritt der Herr, so weit er kann, / Und die Fäden, die zerrissen, / Knüpft er alle wieder an.
Moritz Feuerstein


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